Gespeichert von Anja Schoelhorn am 24. August 2017 - 13:00

Das besagte Fabelwesen verbreitet sich seit Ende 2016 rasant. Aber beginnen wir mal ganz von vorne. Angefangen soll alles schon 2010 mit einem Clip aus dem Animationsfilm „Ich – Einfach unverbesserlich“ haben. Dort möchte ein Mädchen ein Einhorn-Stofftier und ruft ganz verzückt „It’s so fluffy, I’m gonna die“, zu Deutsch in etwa: „Es ist so flauschig, ich werd wahnsinnig“. Die süße Szene wird etliche Male geliked und geshared. Danach tauchen immer wieder Bilder von Einhörnern in den sozialen Netzwerken auf. Und auch Ritter Sport ist nicht ganz unschuldig an dem Hype. November 2016 gibt das Marketingteam bei Facebook bekannt, dass jetzt eine Einhorn-Schokolade erhältlich ist. Kurz darauf ist die Sonderedition ausverkauft. Durch Marketingstrategien, die insbesondere auf die Limited Edition setzen, werden die Menschen dazu angehalten, die so begehrten und exklusiven, nur für kurze Zeit verfügbaren Produkte, zu kaufen. Und dann kommt wieder das Internet ins Spiel. Wie ein Laubfeuer verbreiten sich dort die Einhorn-Produkte und faszinieren die User. 2017 erreicht das märchenhafte Wesen dann seinen Höhepunkt. Der virale Hit ist ein Phänomen geworden, plötzlich sind Einhörner omnipräsent, verzaubern wirklich alles, von der Tasse bis zum Klopapier.

Aber wieso fahren plötzlich alle auf das Glitzerpferd ab?

Man sagt, dass das Einhorn ein Symbol für die Freiheit und Selbstverwirklichung ist. In einer unruhigen Gesellschaft will man wieder Kind sein, sich in eine sorgenfreie Welt träumen. Das Einhorn steht für eine optimistische Einstellung. Es impliziert ein Ideal, eine utopische Traumwelt jenseits des Bösen. Klingt schön, aber mittlerweile lösen die unzähligen, einhörnigen Produkte bei den Meisten nur noch Augenverdrehen aus. An jeder Ecke begegnet man den verflixten Dingern.

Und wie sollte es anders sein, so langsam wird der Trend abgelöst. Ein neues und ebenso auffälliges, aber exotisches Tier steht bereits in Startposition. Ein bisschen realer, ein bisschen erwachsener: der Flamingo. Er ziert nun die Gläser und Outfits. Noch nicht bemerkt? Achte beim nächsten Gang durch die Stadt mal drauf und du wirst dem zweibeinigen pinken Vogel nicht mehr entkommen.

Ob Märchenwesen oder Exot, eines haben die Tiere gemeinsam - sie sind mit ausschließlich positiven Adjektiven konnotiert. Sie wecken bunte, fröhliche, leuchtende, naturverbundene und harmonische Assoziationen und setzen auf die Emotionen. Glück und Zufriedenheit werden ausgestrahlt. Und wer kann davon schon genug bekommen?

Was hat ein Einhorn und die viasion gemeinsam?

Diese Frage wurde uns schon oft gestellt. Die viasion wusste Anfang 2015 aber noch nichts von dem ganzen Trubel. Wir standen mitten in der Start-up-Phase und brauchten dringend Personal: Wie umschreibt man den gesuchten Bewerber? Das Ideal der eierlegenden Wollmilchsau war zu mainstreamig. Die Suche nach etwas Kreativerem begann. Der Kandidat sollte Etwas ganz besonderes sein – alle verzaubern, aus der Masse rausstechen. Eben unter tausend Pferden das einzige, glitzernde Einhorn sein. Für uns steht das Einhorn für Magie und Kreativität, Selbstbewusstsein und Mut. Und nach einer genaueren Recherche wurde dann klar, das ist es, damit können wir uns identifizieren.

„In der Begegnung mit diesem Symboltier wird der Mensch zu einem Wandlungsprozess herausgefordert, der ihn mit seiner Triebnatur konfrontiert und zugleich zu einem geistigen Weg auffordert. Beide Dimensionen sind im Symbol des Einhorns als dynamischer Gegensatz repräsentiert"² bekräftigen uns die Spezialisten. Und das lässt sich wunderbar mit unserem Anliegen in Verbindung setzen: Wir möchten die Arbeitgeber zu einer Wandlung ermutigen, indem sie sich Ecken und Kanten eingestehen und sich mit ihrer Arbeitgebermarke, entgegen des vorherrschenden Einheitsquatsches, präsentieren. Wir fordern sie also zu einem geistigen Weg zur individuellen Marke auf. Seid authentisch und mutig – alles andere bringt auf lange Sicht nichts. Wir alle stehen doch ständing in einem Wandlungsprozess, oder merkst du keinen organisationskulturellen Umbruch in deinem Unternehmen?

Employer Branding ist im heutigen Zeitalter wichtiger denn je geworden – auch, um passende Bewerber anzusprechen und zu halten. Und natürlich sind floskelfreie Stellenanzeigen nicht das einzige Tool, das hierzu beiträgt. Der Kern muss getroffen werden. Alles andere ist nur Fassade. 

Stellenanzeigen sterben aus?

Vielleicht sind Stellenanzeigen auch ein Medium, das vom Aussterben bedroht ist, vielleicht wird es in ein paar Jahren gar keine Stellenanzeigen mehr geben. Vielleicht wird die Stellenanzeige komplett in Vergessenheit geraten, so wie die Videokassette, die heutzutage kaum noch jemand kennt. Und trotzdem war sie zu ihrer Zeit das ‚In-Produkt‘. Die Älteren unter euch werden sich hieran sicherlich noch erinnern: wie man mit Fernbedienung vorm Fernseher saß und gezielt, auf die Sekunde genau, den roten Aufnahmeknopf gedrückt hat.

Nostalgisch? Ja, vielleicht ein bisschen. Aber so lange ist dieses Zeitalter auch noch nicht her.

Deshalb sollten wir heutzutage das Medium Stellenanzeigen so erfolgreich, wie möglich nutzen, denn es ist eines von vielen Möglichkeiten, die schlicht und einfach funktionieren. Das Ziel, damit offene Vakanzen mit passenden Bewerbern zu besetzen wird durchaus erreicht. Deswegen ist es zu früh die gute, alte Stellenanzeige abzustempeln und ins Raritätenmuseum zu stellen. Denn sie erfüllt immer noch Ihren Zweck.

Also geh bitte beim nächsten Blick aufs x-te Einhorn nicht gleich an die Decke, sondern denk an uns!

An der Tastatur: Jasmin Martin (Starprakitikantin 2017 bei den Einhörnern)